Geschichte

Unsere Bundesgeschichte von der Gründung bis in die Nachkriegszeit

Richard von Weizsäcker
Geschichte kann Heimat sein.


Gründungsjahre

Unsere Verbindung wurde am 31. August 1861 von sieben Studenten des Collegium Carolinum, wie die Technische Universität Braunschweig damals hieß, gegründet und ist damit die älteste noch bestehende Burschenschaft in Braunschweig.

Die Anfangsjahre bis etwa 1864 waren dabei von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Einmal kamen die Probleme von Seiten der Verwaltung, andere Male waren zu wenig Aktive vor Ort, um das Bundesleben aufrecht zu erhalten.

Doch die Germanen lebten ihre Idee weiter, so dass sich der junge Bund gut entwickelte und schnell wuchs und man sich bald einem neuen Ziel, nämlich der Vereinigung der Burschenschaften an den Technischen Hochschulen, widmete.

So wurde 1869 ein erstes Kartell mit Cheruskia Dresden und Alemannia Stuttgart ins Leben gerufen und man blickte auf dem zehnjährigen Stiftungsfest 1871 zufrieden auf das Erreichte zurück und gleichzeitig hoffungsvoll in die Zukunft.


Zeit im Kaiserreich

Der glückliche Ausgang des Krieges gegen Frankreich brachte für Deutschland einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung und die einst so bedrückenden Berufsaussichten waren für die technischen Studenten mit einem Schlage verändert worden.

Doch der Rausch der Nachkriegsjahre führte zu einer laxen Lebensauffassung unter den Studenten, die sich auch in unserem Bund ausbreitete. So kam es, dass im Sommersemester 1873 einige Burschen austraten und im folgenden Semester die Burschenschaft Alemannia gründeten. Und schon kurz darauf im Wintersemester 1875/76 gab es Bestrebungen, unseren Bund in ein Corps umzuwandeln, da viele der Ansicht waren, daß die Ziele der Burschenschaft mit der Reichsgründung 1871 erreicht seien. Im Sommer wurde dann tatsächlich die Burschenschaft Germania in das Corps Germano-Brunsviga umgewandelt.

Nur die Bundesbrüder Alsleben und Hasenbalg wirkten dieser Entwicklung entgegen und gründeten die Kampfburschenschaft Cheruskia, in der sie die burschenschaftliche Idee der Germania weiterführten. So geschah es, dass im Sommer 1877 die Alten Herren der Germania diese beiden baten, die Germania mit den alten Farben schwarz- rot-gold aber roter Mütze, wie wir sie bis heute tragen, wieder aufzutun.

Die folgenden Jahre vergingen recht sorglos und die Einigung der technischen Burschenschaften nahm eine konkrete Form an, die ihren ersten Höhepunkt im Jahre 1889 mit der Gründung des Niederwald- Deputierten- Conventes erreichte. Nach Auflösung des NDC wurde 1900 als neuer Verband technischer Burschenschaften der Rüdesheimer-DC ins Leben gerufen.

In den Jahren ab 1901 hatte die Idee, ein eigenes Heim für die Germania zu schaffen, in viele Köpfen Platz ergriffen, so dass bereits 1903 ein Haus vorläufig gemietet werden konnte. Bereits 1910 wurde dann der Beschluss gefasst, ein eigenes Haus zu bauen, nachdem der Mietvertrag des alten Hauses nicht verlängert werden konnte. Nach nur 4 Jahren war das Geld für einen Neubau zusammen, so dass das neue Germanenheim am 16./17. Mai 1914 eingeweiht wurde und bis heute den Mittelpunkt unseres Bundeslebens bildet.

Einen bitteren Einschnitt in diese glückliche Zeit bildete der Erste Weltkrieg. Nachdem mit 27 Bundesbrüdern der Großteil der Aktivitas begeistert in den Krieg gezogen war, kam das Bundesleben vor Ort nahezu zum Erliegen. Doch der schwerste Schlag für die Germania war es, daß 25 unserer Bundesbrüder nicht aus dem Felde zurückkehrten und die unbeschwerte Zeit fröhlichen Germanenlebens damit untergegangen war.


Weimarer Republik

Die Bundesbrüder, die aus dem Krieg zurückkehrten, fanden ihre alte Hochschulstadt aufgerührt von den Wirren der Novemberrevolte 1918 vor. Unter der Führung des radikalen Marxisten August Merges war der Braunschweiger Herzog Ernst August zur Abdankung gezwungen worden und gab als einer der ersten deutschen Fürsten die Erklärung seines Rücktrittes ab.

Man war bemüht eine Räterepublik Braunschweig zu schaffen, deren Präsident der schon erwähnte Schneider Merges und deren Kultusministerin die frühere Waschfrau Minna Faßhauer werden sollte. Doch diese Pläne stießen auf wachsenden Widerstand in der Bevölkerung, die sich, zusammen mit vielen Studenten, dagegen empörte.

In Hannover wurde die Studentenkompanie Braunschweig gegründet, die mit Hilfe der Truppen des Generals Maerckers Braunschweig aus dem Joch der Rotgardisten befreien sollte. Als am 16. April 1919 der Angriff erfolgen sollte, waren die Roten bereits aus der Stadt geflüchtet und traten nicht mehr zum Widerstand an. Der rote Spuk war aus Braunschweig verschwunden und der gemäßigte Sozialdemokrat Dr. Jasper lenkte nunmehr die Geschicke Braunschweigs im Sinne der Weimarer Republik.

In einer Zeit der Zerstückelung Deutschlands warfen auch Universitätsstudenten die alten Standesvorurteile gegen die technischen Verbindungen beiseite und gründeten gemeinsam mit ihnen die Deutsche Burschenschaft, womit endlich die Einigung aller Burschenschaften in einem Verband geschafft war. Der Rüdesheimer Verband war im neuen großen Verband aufgegangen, aber die langjährigen Freundschaftsverhältnisse sollten nicht erlöschen. Und so wurde zur Aufrechterhaltung der alten Freundschaften am 4. April 1920 der Rheinische Ring gegründet, der als Freundschaftskartell fortbestehen sollte.

Der wirtschaftliche Alltag in der Weimarer Republik ließ jedoch keine Freudenstimmung aufkommen und mit der stetig wachsenden Inflation wurde die Finanzierung des Bundeslebens zum immer größeren Problem. Da aber kam einigen Bundesbrüdern die Idee zur Gründung einer eigenen wertbeständigen "Bank" : Die Wirtschaftskommission wurde ins Leben gerufen. Eingezahltes Geld wurde sofort in Lebensmittel und andere "wertbeständige" Artikel umgesetzt, so daß man für sein Geld jederzeit einen konstanten Gegenwert erhielt. Die Wirtschaftskommission arbeitete so gut, daß auch Alte Herren ihr Geld einbrachten und von den erzielten Gewinnen die Bewirtschaftung des Hauses ermöglicht wurde.

Nachdem man dem finanziellen Fiasko entgangen war und langsam wieder Mut für eine glückliche Zukunft schöpfte, bahnte sich aber schon ein neues Kapitel in der deutschen Geschichte an, das nicht nur unseren Bund, sondern das gesamte deutsche Volk in seinen Grundfesten erschüttern sollte.


Bundesleben zu Zeiten des Nationalsozialismus

Nachdem auf dem Burschentag 1933 das Führerprinzip für die Deutsche Burschenschaft übernommen worden war, begann in den folgenden Monaten die staatlich vorgeschriebene Umgestaltung unseres Bundes.

Von nun an hießen die Aktiven "Pflichtige", das Haus wurde in eine Wohnkameradschaft umgebaut und es zog ein militärischer Tagesablauf ein. Bis 1935 erfolgte eine schrittweise Gleichschaltung der Deutschen Burschenschaft, die am 18. Oktober 1935 zu deren Selbstauflösung führte. Damit hörte auch die Burschenschaft Germania dem Gesetze nach zu existieren auf.

Nach der formellen Auflösung führten ehemalige Bundesbrüder die Tradition der Germania unter dem Namen Wohnkameradschaft "Walter Flex" weiter. Jedoch erfuhr mit dem Beginn des Krieges das Bundesleben immer größere Einschränkungen und der Alltag war geprägt vom dauernden Wechsel der Mitglieder; bald kehrten erste Verwundete aus dem Felde zurück und Durchreisende streiften die Gemeinschaft in kurzen Besuchen.

Am 15. Oktober 1944 wurde das Germanenhaus ausgebombt und nur Dank des Einsatzes einiger Alter Herren konnte die Decke des Erdgeschosses notdürftig abgedichtet werden, so dass das Haus wenigstens einigermaßen vor Nässe geschützt werden konnte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag auch das Germanenhaus wie das ganze Deutschland in Trümmern, die Germanen waren verstreut in allen Ländern, in Gefangenschaft geraten oder gefallen und die Zukunft unserer Verbindung, die bereits 84 Jahre erfolgreich durchgestanden hatte, war ungewiß wie nie zuvor in der Geschichte der Burschenschaft Germania.


Die Jahre nach dem Krieg

Nach Kriegsende war unser Haus, wenn auch schwer beschädigt, Anlaufpunkt für Germanen, die aus allen Himmelsrichtungen nach Braunschweig zurückkehrten und denen es als zeitweilige Notunterkunft dienten konnte. Schon nach kurzer Zeit fand eine größere Gruppe Germanen wieder zusammen und so nahm die notdürftige Wiederherrichtung des Hauses Schritt für Schritt Gestalt an.

Die Technische Hochschule Carolo Wilhelmina hatte bereits im Wintersemester 1945/46 ihren Betrieb wieder aufgenommen und Studenten, die aus der Masse an Bewerbern für ein Studium zugelassen wurden, hatten für die Dauer eines Semesters bei den Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten der TH zu helfen.

In heimlichen Treffen auf dem Germanenhaus wurde beschlossen, dem alten Bund wieder eine Gestalt zu geben. Daraufhin wurde im Mai 1946 der "Braunschweiger Studentenbund" ins Leben gerufen. Unter den Augen der britischen Besatzungsmacht war aber noch nicht an eine Fortsetzung der Tradition der Kameradschaft "Walter Flex" oder gar der Burschenschaft Germania zu denken.

Nach weiteren Jahren, in denen der Zustand des Hauses kontinuierlich verbessert wurde und der "Braunschweiger Studentenbund" offiziell anerkannt war, wurde schließlich zum 89. Stiftungsfest im Jahre 1949 aus diesem die Braunschweiger Burschenschaft Germania wieder aufgetan. Seitdem ist unsere Gemeinschaft wieder aktiver und fester Bestandteil des Braunschweiger Hochschul- und Korporationslebens.

So engagierten wir uns in unserem Verband, der Deutschen Burschenschaft, dessen Vorsitz unser Bund in den Jahren 1963/64 sowie 1995/96 inne hatte und wirken auf vielfältige Weise an unserer Hochschule mit.